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Spielerblog: Mission to Beach PDF Drucken E-Mail
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SchwachPerfekt 
Geschrieben von: Felix Koraimann   
Dienstag, 05. Oktober 2010 um 07:37 Uhr

Von 15- 19 September sollten die U21 Beachvolleyball Weltmeisterschaften stattfinden. Wie bekannt startete die Hallenvorbereitung jedoch schon im August, da der Verein die Teilnahme unterstützte durften Peter Eglseer (spielt in der Halle bei Enns in der 1. Liga) und ich nach einmonatiger Hallenvorbereitung wieder in die große Sandkiste. Die unmittelbare Wettkampfvorbereitung wurde eine Woche lang in Wien absolviert, unter der Leitung Stefan Hömbergs trainierten wir dort mit dem AUT 1 Team Helmut Moser und Robin Seidl. Peter und ich waren als Nummer 2 Team nominiert worden, dass bedeutete für uns den Weg durch die Qualifikation.

Am Sonntag, den 12 September, war Abflugtermin nach Antalya, da es türkische Fluglinien mit der Zeit aber nicht so genau nehmen, durften wir geschlagene drei Stunden auf unseren Flug warten. Mit dreistündiger Verspätung kamen wir dann in Antalya an, wo uns wider Erwarten ein kleiner Sommerregen begrüßte, der jedoch keine Abkühlung mit sich brachte. Waren wir von Österreich milde 15°C gewohnt, so kletterte in der Türkei das Thermometer auf bis zu 35°C. Nach einer beinahe zwei stündigen Busfahrt erreichten wir endlich Alanya.

Am Montag und Dienstag standen noch Trainings mit Deutschland, Neuseeland (unter der Leitung von Jason Lockhead (4. Platz Klagenfurt)) und Österreich auf dem Programm. Doch irgendwie stellten uns unsere Trainingsleistungen nicht zufrieden. Vor allem im Zuspiel machten uns Abstimmungsschwierigkeiten zu schaffen, dazu kam extremer Wind und extreme Hitze. Am Dienstagnachmittag spielten wir daher noch ein kleines Trainingsmatch gegen das Main Draw-Team Australien. Auch dieses Match war mehr Krampf und Kampf. Etwas entmutigt gingen wir dann zum Technical Meeting und warteten gespannt auf unseren Quali-Gegner. In der ersten Runde hatten wir ein Freilos. In Runde zwei wartete Italien und dann vermutlich Brasilien. Aus Erfahrung konnte man Italien etwas schwächer einschätzen, doch dann Brasilien?

Am nächsten Tag standen wir früh auf und gingen Aktivieren. Da Peter und ich immer irgendwelche Rituale brauchen, schauten wir uns vor jedem Spiel eine Folge Scrubs an. Auch kristallisierte sich bald ein WM-Song heraus (Hurts - Wonderful Life). Ich machte noch meine obligate Atemübung, und die erste Partie konnte kommen. Wichtig war auch noch mein WM Bart und meine Glücksgoldkette:



Die Italiener stellten wie erwartet keine große Herausforderung dar und konnten glatt mit 2:0 besiegt werden. Aufgrund der großen Hitze servierten sie auf den spezialisierten Blockspieler und so musste Peter Side-Out spielen. Bei großer Hitze ist ein kurzes Service auf den Blockspieler eine sehr effektive Methode um diesen zu ermüden und dadurch zu Fehlern zu zwingen.

Der nächste Gegner war wie bereits erwähnt Brasilien. Die Brasis Evandro-Jô, beide über 2 Meter, der eine 2,03 und der andere 2,11. Gerüchten zufolge hieß es der größere der beiden habe in der Halle eine Reichhöhe im Sprung von 3,90, wobei ich diese Zahl doch etwas anzweifle. Die taktische Anweisung des Headcoach Stefan lautete Service auf den 2,11 Mann. Wieder wählten die Gegner Peter als Side-Out Spieler aus. Irgendwie sollte das Side-Out auf unserer Seite noch immer nicht laufen. Dies zum größten Teil an meinem zu weit entfernten Aufspiel. Wir taten uns unglaublich schwer Punkte zu machen und so freuten wir uns über jeden Punkt, als hätten wir das Match gewonnen. Im ersten Satz überrumpelte uns die brasilianische Wand und wir lagen 6:11 zurück. Plötzlich funktionierte die Taktik den größeren Spieler diagonal zu doppeln und wir kamen auf 10:11 heran und gewannen den Satz dann noch mit 23:21. Im zweiten Satz wurden wir mit 21:11 auf den Boden der Realität zurück geholt. Besonders bitter war als der 2,11 Brasi einen von mir verteitigten Ball im Stand am Netz einfach zurückschlug… Kein Side out… Doch nach dem Motto unseres WM- Liedes "Never give up its such a wonderful life" kämpften wir uns wieder zurück in die Partie und gewannen mit 15:13. Der Jubel kannte keine Grenzen mehr.

Die Sensation war perfekt: Das kleine Österreich hatte die Beachvolleyball Großmacht Brasilien geschlagen. Wir hatten unser erstes Ziel erreicht und waren im Hauptbewerb der WM. In der Quali blieben unter anderem ehemalige Welt-Vizewelt und Europameister hängen. An diesem Sieg freute mich besonders, dass wir nicht richtig gut gespielt hatten, sondern hauptsächlich durch Emotion und Willenskraft gewinnen konnten.

In der Gruppe warteten mit Deutschland, Spanien und Lettland durchaus schlagbare Gegner. Zunächst spielten wir gegen Flüggen/ Hellmuth aus Deutschland. Wir hatten den Blockspieler Hellmuth durchaus im Griff und konnten einige Breaks machen, doch das Side Out lief nicht…

Mit etwas Wut im Bauch über die vergebenen Chancen vom Spiel gegen GER traten wir am Tag darauf gegen Spanien an. Wir verloren den ersten Satz mit 21:14. Wieder wurde Peter anserviert, doch die Abstimmung passte nicht. Sollten wir den nächsten Satz auch verlieren wären wir wahrscheinlich in der Gruppe hängen geblieben. Doch plötzlich ging uns ein Knopf auf. Endlich fanden wir die Lösung des Side Out Problems. Ich hatte Peter den Ball immer viel zu weit weg aufgespielt und er konnte einfach sehr schwer etwas damit anfangen. Nun war das Aufspiel viel dichter und das Side Out kein Problem mehr. Peter verdreifachte seine Side Out Quote und Satz zwei ging klar an uns. Den dritten Satz gewannen wir knapp mit 15:13 und die Chance auf ein Weiterkommen lebte.
Das letzte Gruppenspiel war gegen Lettland. Wir spielten wie ausgewechselt und Peter hatte richtig Freude daran Side- Out zu spielen und sorgte durch einige Blockpunkte für einen klaren Sieg.

In der K.O.- Phase spielten wir gegen Russland 1. Im vorigen Jahr hatten Robin Seidl und ich auf Kos gegen sie gespielt und gewonnen, deshalb rechneten wir uns gute Chancen aus. Da Peter sein Side-Out ohne Probleme hielt, begannen die Russen auf mich zu servieren. Es war mein erstes Spiel als Side Out Spieler, doch die Russen sollten kein allzu großes Problem für uns darstellen. 2:0 lautete das Endergebnis. Leider war für AUT 1 in der ersten K.O. Runde Endstation und Moser/Seidl belegten Platz 9.

Noch am selben Tag (Samstag) ging es gegen USA um den Einzug ins Halbfinale. Carlson/ Hughes servierten auf mich und wir verloren den ersten Satz deutlich mit 21:15. Der Spruch totgesagte leben länger trifft genau auf uns zu und so konnte ich mein Side Out stabilisieren. Der Blockspieler der Amis machte ein paar Fehler und so gewannen wir Satz Nummer 2 knapp mit 21:19. Dritter Satz ging wieder mit 15:13 an uns. Unglaublich… Wir konnten schon wieder eine Partie mit 15:13 im dritten Satz für uns entscheiden und standen somit im Halbfinale.

Das Halbfinale war ebenfalls am Samstag gegen Kanada. Schachter/ May hatten zuvor Moser/ Seidl (9. Platz) eliminiert. Auf Grund der großen Hitze versuchten wir unser Glück über den Blockspieler der Kanadier. Es war so heiß dass wir uns nicht mehr über Punkte freuen konnten. Jede unnötig verschwendete Kraft könnte am Ende entscheidend sein. Ich wurde anserviert und hielt mein Side-Out relativ gut, doch machten die Kanadier nahe zu 100% ihrer Aufspiele zu Punkten und so verloren wir 21:19 und 21:17. Trotz der Hitze war es ein sehr gutes Spiel wo Kleinigkeiten über unsere Niederlage entschieden.

Im anderen Halbfinale setzte sich Brasilien gegen Russland durch. Und der Gegner am Sonntag lautete Russland. Bykanov/Bolgov waren unsere letzte Hürde  zur Medaille. Alles oder Nichts hieß es also.

Am Sonntagmorgen bereiteten wir uns noch ein letztes Mal auf unser 9tes Spiel vor. Natürlich spielten wir in unserer Glücksdressfarbe Grün und gaben noch einmal alles. Im ersten Satz blockierte Peter den Linkshänder der Russen geschätzte 10mal und so gewannen wir Satz 1 deutlich. Im zweiten Satz fand der Russe besser ins Spiel, doch mit 23:21 ging dieser knapp an uns. Die circa 300 Russen im Stadion konnten uns auch nicht aus dem Konzept bringen.  Es war also wirklich vollbracht. Eglseer/Koraimann holten WM Bronze bei der U21WM in der Türkei… Als erstes Herren Team in der österreichischen Volleyball Geschichte erkämpften wir uns eine WM Medaille.

Ein überglücklicher Stefan Hömberg, der durch gute taktische Tipps maßgeblichen Anteil am Erfolg hatte, lud uns am Strand auf ein wohl verdientes EFES ein. Endlich konnte ich den kratzenden WM Bart abrasieren und am Abend feierten wir den Erfolg in einer türkischen Disco und verstanden uns ausgezeichnet mit den Teams der anderen Nationen. Die Medaille machte auch die 30 Stunden dauernde Heimreise zu einer angenehmen Nebenerscheinung (zwei mal Verspätung der Flieger führten zu einer zusätzlichen Nacht in Istanbul in einem "sauberen" Hotel).

Abschließend möchte ich noch all den Menschen danken die uns diesen Erfolg ermöglichten bzw uns den Weg dahin ebneten. Seien es Familie und Freunde, die zu Hause vor bwin mitzitterten und uns mental unterstützen oder ehemalige Trainer, aktuelle Trainer, BVC Spike, UVC Graz Ag, TABV und andere!

Danke
Felix Koraimann

Zuletzt aktualisiert am Dienstag, 05. Oktober 2010 um 07:51 Uhr